Zugtierarbeit heute

Gegensatz zur allgemeinen Meinung in den Industrieländern ist auch heute noch weltweit der größte Teile der Zugkraft in der Landwirtschaft tierischen Ursprungs.

Auch heute können Zugtiere noch sinnvoll und auch wirtschaftlich in bestimmten Bereichen eingesetzt werden.

Zu diesen Bereichen zählen die Wiesen- und Weide- und Landschaftspflege. In geringerem Umfang die Bodenbearbeitung und bestimmte Transportarbeiten. Vor allem in kleineren Betrieben mit Sonderkulturen oder Baumschulen ist das Pferd nach wie vor voll konkurrenzfähig und steht den Maschinen in nichts nach. Es liefert in der Regel eine bessere Arbeitsqualität und ein besseres Arbeitsklima. Als Sympathieträger ist das Pferd besonders für Betrieben mit Selbstvermarktung bezüglich Imagepflege und Werbung von nicht zu unterschätzendem Wert.

Leistungsfähiger ist ein Gespann oder eine Mehrfachanspannung, eine wichtige Voraussetzung ist jedoch, dass die zu bearbeitende Flächen arrondiert, d. h. leicht erreichbar sind.

Wichtigste Vorraussetzung für die optimale Einsatzfähigkeit von Pferden ist eine kontinuierliche Auslastung. Weiterhin sollte der Betriebsinhaber und Fuhrmann auch wirklich mit Pferden arbeiten wollen.

Die Vorderwagentechnik kommt hauptsächlich aus der USA und stellt das notwendige Bindeglied zwischen Pferdetechnik und dem Einsatz von Geräten die auch an Traktoren eingesetzt werden, dar. Es gibt hier verschiedene Ausführungen. Von der einfache Basisversion zum Anhängen von Lasten über Geräte mit Bodenantrieb bis hin zu Ausführungen mit Dreipunkt-Hydraulik, elektrischen Hydraulikpumpen zu und Aufbaumotor.

Zugpferdearbeit ist modern!

Zugpferdearbeit ist ökologisch und ökonomisch!

    • Zugtiere sind eine moderne, sich selbst erneuernde, alternative Energiequelle, mit deren Hilfe die Menschheit die letzten 8000 Jahre ihren Zugkraftbedarf in der Land- und Forstwirtschaft sowie unzähligen anderen Bereichen gedeckt hat. Das bedeutet aber nicht, dass Zugpferdearbeit altmodisch und nicht mehr zeitgemäß ist, ganz im Gegenteil!
    • Zugtiere reproduziert sich selbst, sogar während der Arbeit, und können lokal gezüchtet, sowie durch lokal erzeugte Energie wie Gras und Getreide „betrieben“ werden. Zur Produktion eines Traktors wird ebenfalls eine sehr große Menge an Energie benötigt.
    • Studien zeigen, dass sowohl die verbrennungsmotor- als auch die pferdebasierende Landwirtschaft in etwa die gleiche Energiemenge benötigen um eine bestimmte Menge zu erzeugen. Bei der Pferdewirtschaft können jedoch 60% des Aufwandes, bei der Traktorenwirtschaft nur ca. 10% (der Fahrer) lokal erzeugt werden.
    • Das Arbeitspferd hat eine lange Arbeitsdauer und erzeugt von einem Drittel der aufgenommenen Energie wertvollen Dünger, wogegen zwei Drittel der Treibstoffenergie eines Verbrennungsmotors als Wärme und Abgase verloren gehen. Studien ergeben, dass ein Zugpferd bis zu 2400 Liter Rohöl pro Jahr ersetztem kann.
    • Ein Zugpferd kann von einem Alter von etwa 3 bis ca. 20 Jahren eingesetzt werden. Ein Traktor kommt während dieser Arbeitszeit nicht ohne größere Reparaturen aus, und zum Verschrotten braucht man noch ein Mal viel Energie.
    • Das Argument, dass beim verstärkten Zugpferdeeinsatz auch ein Teil des Landes zur Erzeugung deren Futters benötigt wird, ist in Zeiten der Extensivierung von Flächen in der Landwirtschaft auch nicht mehr stichhaltig, zumal Studien davon aus gehen, dass bei vollem Einsatz nur 18% der landwirtschaftlichen Fläche notwendig wären, welche auch nicht die hochwertigsten Lagen sein müssen. Auch bei der Erzeugung von biogenen Treibstoffen aus Biomasse wäre dieser Flächeneinsatz notwendig, und der weitere Aufwand zur Erzeugung dieser Treibstoffe ist ungleich höher als beim direkten Einsatz durch Zugtieren.
    • Pferde können in der Relation zu ihrem Körpergewicht eine sehr hohe kurzzeitige, und ca. 10%-15% ihres Körpergewichts als Dauerzugleistung aufbringen.
    • Pferde sind wendiger und geländegängiger als Traktoren, es werden kleinere Wendeflächen benötigt und die Nutzfläche kann größer werden.
    • Pferde sind intelligent, können lernen und sind mit Stimmkommando „fernsteuerbar“, was besonders in Fällen mit vielen Stops von Vorteil ist. Gerade bei diesen Einsatzfällen in einem kleinen Aktionsradius mit vielen Haltestellen (Lieferverkehr) ist das Pferd auch mindestens so wirtschaftlich wie ein Verbrennungsmotor (zumal bei den heutigen Durchschnittsgeschwindigkeiten in den Städten).
    • Viele Arbeiten in der Landwirtschaft und im Gartenbau (Hacken, Pflanzen) brauchen gar nicht die hohen Geschwindigkeiten eines Traktors.
    • Pferde schädigen die Bodenstruktur weniger als ein Traktor und können teilweise unter schlechteren Bodenverhältnissen arbeiten.
    • Pferde sind eine sehr flexibel. Man kann je nach Bedarf  mit einem Pferd arbeiten, oder mehrere kombinieren.
    • Zugpferdeeinsatz ist praktizierter Artenschutz, da viele der Arbeitspferderassen zu den bedrohten Haustierarten zählen.

Wichtige Voraussetzungen für den Pferdeeinsatz sind:

 

    • Kurze Anfahrtswege zum Einsatzort.
    • Gleichmäßige Arbeitsauslastung über das ganze Jahr.
    • Neben dem Einsatz alter und bewährter auch Neu- und Weiterentwicklung neuen Maschinen.
    • Optimale Kombination und Einbindung von Pferdetechnik mit Traktorentechnik.
    • Der Fuhrmann muss auch mit den Pferden Arbeiten wollen.